Seidenteppiche

 

Seidenteppiche sind eine Form künstlerischen Ausdrucks der Textilmalerei. Die faszinierende Bandbreite der Designs, die luxuriöse Geschmeidigkeit und Elastizität und die Lebhaftigkeit der Farben machen echte Seidenteppiche so unverkennbar.

Die Teppichweberei wurde von Sultan Zain-ul-Abidin nach Kaschmir gebracht. Seine Teppichknüpfer begannen dort, das Handwerk zu lehren. Die professionelle Ausbildung von persischen Handwerkern sorgte dafür, dass sich das Weben von Teppichen in Kaschmir schnell entwickelte.

Mit dem Rückgang des Einflusses von Sultan Zain-ul-Abidin, ging auch die Teppich-Industrie in Kaschmir zurück, aber es wurde bald von den Moguln wiederbelebt. Während der Mogul-Ära wurden Teppiche im Kristallpalast in London ausgestellt. Hier regten sie die Fantasie der westlichen Welt an. Ein neuer Markt erschloss sich.

Echte Kaschmir Teppiche sind bekannt für zwei Dinge, sie sind handgemacht und sie sind geknüpft und nicht getuftet. Der Prozess, Garne miteinander zu verketten, ist als Verknotung bekannt. Die Verknotung ist der wichtigste Aspekt eines Teppichs. Verknotungen beziehen sich auf die Knoten pro Quadratmeter. Je größer die Anzahl der Knoten pro Quadratmeter, desto besser ist die Haltbarkeit und die Qualität des Teppichs.

Feinste Knüpftechnik macht es möglich, Motive mit Präzision darzustellen. Am häufigsten werden Teppiche mit 18x18 und 24x24 Knoten pro Quadratzoll erzeugt. Zuletzt haben Weber begonnen, Teppiche mit 60x60 Knoten zu erzeugen. Auch gibt es einzeln- und doppelverknotete Teppiche. Einzel geknüpfte Teppiche sind flauschiger als doppelt geknotete. Ein handgewebter Teppich unterscheidet sich zu einem maschinell erstellten Teppich durch seine feinen Details und der Komplexität ihrer Konstruktion.

Der Prozess, einen Teppich zu weben ist sehr langwierig und bedeutet eine Menge Vorbereitung für den Handwerker. Zuerst wird das Garn ausgewählt. Ob Baumwolle, Seide oder Wolle, das Garn wird auf einem bestimmten Feinheitsgrad gesponnen, die von der Qualität abhängig ist, die hergestellt werden sollen. Kaschmir, Wolle und Seide sind weltweit bekannt für ihre Reinheit und Haltbarkeit. Gerne wird auch chinesische Seide verwendet, sie ist teurer und erfordert zusätzliche Fähigkeiten aufgrund der Feinheit des Fadens. Ein Teppich kann aus Seide auf Baumwolle oder aus Seide auf Seide hergestellt werden.

In der zweiten Stufe wird Garn durch traditionelle Verfahren mit natürlichen Farben, die aus heimischen Kräutern und Mineralien extrahiert wurden, gefärbt. Diese Farbstoffe wirken sich nicht negativ auf das Garn aus. Nachdem das Färben beendet ist, legt der Fachmann das gefärbte Garn auf den Webstuhl. Dieser besteht aus zwei horizontalen Holzbalken, zwischen denen die Wickelfäden mit Hilfe von zwei Eisenstangen zu einem Teppich verknotet werden. Das Webverfahren verläuft nach einem codierten Skript von Knoten pro Quadratzoll, wodurch das Farbschema und das Design erzeugt werden. Die Schussfäden werden nach einer auf Millimeterpapier gezeichneten Mustervorlage, dem sogenannten Talim, verarbeitet. Dann wird ein Strang des Garns durch Wickel und Schuss geschlungen, verknotet und dann geschnitten. Das codierte Skript kann nur vom Weber übersetzt werden und wird als Geschäftsgeheimnis bewahrt.

Der Webermeister gibt die Vorgaben durch einen melodischen Text. Der Senior-Weber rezitiert die Linien, die für die Weber als Anleitung dienen. Die Praxis des Talim ist eine einzigartige Methode der Handwerkskunst. Die Erzeugnisse erfordern viel Feinarbeit und Geschick. Ein Weber braucht vier bis fünf Monate um einen echten Seidenteppich zu erstellen. Sobald der Webprozess zu Ende ist, wird der Teppich mit einer Schere ausgeglichen. Auf der Streckmaschine werden noch geringfügige Anpassung der Knoten und Linien vorgenommen. Es erfordert besonders hohe Kompetenz und Erfahrung, einen Fehler zwischen einzelnen Knoten zu erkennen. Danach wird der Teppich gewaschen, die Erweichung sorgt dafür, dass die Fasern ihren endgültigen Glanz erhalten. Ein Teppich ist kein Werk einer einzelnen Person. Eine Anzahl von Personen, wie Färber, Spinner, Weber, Designer und Wäscher tragen zur Herstellung bei.

Die Fähigkeit der Teppichweberei wird über Generationen manifestiert weitergegeben. In den anfänglichen Stadien ähnelten die Entwürfe typischen Perserteppichen, aber im Laufe der Jahre haben Kaschmir-Weber ihre eigenen Designs entwickelt. Häufig werden Kaschmir-Designs und Persermuster kombiniert.

Typisch für Perserteppiche sind schönen Blumen, Vögel, Tiere und andere Motive. Die Teppiche sind nach bekannten persischen Städten benannt, z.B. Kashan oder Tabriz. Diese Teppiche zeigen traditionelle Muster und Symbole. Kaschmir-Teppiche hingegen stellen heimatliche Motive dar. Landschaftliche Schönheit in vielfältigen Formen. Weinreben und florale, geometrische und kalligrafische Muster, Jagdszenen und thematische Designs aus historischen Geschichten. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist die Darstellung vom "Baum des Lebens" in seiner ganzen Pracht. Die subtile und gedämpfte Farbgebung unterscheidet Kaschmir Teppiche von anderen Teppichen.

Die Teppich-Industrie erlebt eine bemerkenswerte Expansion aufgrund eines eingeführten Trainingsprogramms, das besonders indische Handwerker fördert. Um die Menschen von der Straße zu holen wurden Maßnahmen ergriffen, welche die Kaschmir-Produktion und die Teppich-Herstellung anregen. Hinzu kommt die Einführung von neuen Designs und verbesserten Qualitätskontrollen.